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Besuch bei Lanka Child

 

Wunderschön, überraschend, chaotisch, inspirierend, nervenaufreibend, abenteuerlich, höchst kulinarisch, spannend, erholend, lustig, ärgerlich, vielfältig und zum Nachdenken anregend – all das ist Sri Lanka.

Für uns war von Anfang an klar, dass wir das Projekt „Lanka Child“ auf unserer Reise quer durch Sri Lanka besuchen möchten. Zumal uns auch die Stadt Jaffna ganz im Norden des Landes und dessen Region, in der das Projekt „Lanka Child“ etabliert ist, interessierte. Die ehemalige Kolonialstadt war über viele Jahre das Zentrum des Bürgerkrieges und uns vor allem deswegen ein Begriff.

Mit dem Zug reisten wir vom Landesinneren nach Jaffna. Gemäss unserem Reiseführer soll diese Zugfahrt besonderslohnenswert sein und das war sie auch. Die Landschaft rund um den Elefantenpass (ein eigenartig schöner 1km langer Damm, welcher das schmale Verbindungsstück wischen der Halbinsel Jaffna und Sri Lankas Festland bildet) vermittelte uns einen spektakulären Eindruck. Die Strecke war gesäumt von vielen Lagunen mit Mangrovenhaina  und wir sahen verschiedenste Watvögel.

Die Stadt Jaffna ist laut, chaotisch, bunt, lebendig – eine typische sri lankanische Stadt eben. Durch den Anschluss ans Meer und die vielen Lagunen ist die Region wunderschön und der berühmte Tempel Nallur wirklich sehenswert. Wir erlebten in dieser Stadt kulinarische Höhenflüge. Man merkt im Norden Sri Lankas, dass die indischen Einflüsse grösser sind und somit hat auch das Essen einen indischen Touch. Wir können das Essen nur empfehlen.

Mit dem Tuk Tuk machten wir uns auf den Weg die Familien aus dem Projekt „Lanka Child“ zu besuchen. Wir waren gespannt, was und wer uns erwartete. Unser Fahrer kannte sich in diesem Stadtteil ebenso wenig aus wie wir und bei jeder Kreuzung musste er nach dem Weg fragen, doch mit Hilfe vieler Menschen fanden wir unser Ziel dann doch noch. Uns erwarteten eine Mutter und 7 Kinder. Die Frau hat mit ihrem Mann drei eigene Kinder und sie haben vier Nichten und Neffen aufgenommen, weil deren Eltern im Krieg oder dessen Folgen ums Leben kamen. Das Geld ist eigentlich für die drei eigenen Kinder schon knapp und da jetzt noch vier weitere Mäuler gestopft werden müssen, reicht es nirgends mehr hin. Weder die Kinder noch die Mutter konnten Englisch sprechen und darum war die Kommunikation schwierig. Glücklicherweise war bei den Nachbarn eine Junge aus dem zentralen Hochland zu Besuch der uns beim Übersetzen immerhin etwas helfen konnte. Die Familie wohnt in einem sehr einfachen Haus, mit schlichtem Betonboden und nicht verarbeiteten Wände. Die Fenster sind klein und somit war es trotz Sonnenschein sehr dunkel. Die Einrichtung war kahl, gerade mal zwei Sitzgelegenheiten gab es, welche für uns bestimmt waren. Die Kinder setzten sich auf eine Strohmatte und der die restlichen Anwesenden mussten eben stehen. Zum Leben haben sie fast nichts und nur, weil wir zu Besuch waren, gab es Süssgetränke und Kekse. In diesem Haus gab es gerade einmal vier Räume. Die Küche, einen Hauptraum (wo wir uns aufhielten) und zwei weitere Zimmer.  Wo da 9 Menschen schlafen ist uns bis heute ein Rätsel.  Als Toilette dient eine Latrine im Garten.

Es war beeindruckend zu sehen, wie Bescheiden die Familie lebt. Eine Alternative für die vier Waisenkinder wäre das Waisenhaus. Dass sie trotz Verlust ihren Eltern im System Familie aufwachsen können, finden wir einen schönen Gedanken und ist bestimmt auch für die Kinder die beste Lösung, die wir gerne mit einem Batzen unterstützen.

Am Tag drauf folgte bereits der nächste Familienbesuch. Damit wir ihr Zuhause besser finden konnten, kamen die Mutter und die eine Tochter uns mit dem Fahrrad etwas entgegen. Somit mussten wir auf dem Weg nicht ganz so viele Menschen nach der Route fragen wie am Tag zuvor. Die Erscheinung beider Frauen war hübsch und sehr gepflegt, hätte man sie nach diesen Kriterien beurteilt, hätte man nie und nimmer vermutet, dass sie noch bescheidener leben, als die Familie am Tag zuvor.

Als wir dann tatsächlich bei ihnen im Garten standen, standen wir vor einem Haus, also eigentlich vor einer kleinen Lehmhütte mit Strohdach mit zwei Räumen und Vorhängen welche als Türen dienten. Die älteste Tochter versuchte sich mit ihren wenigen Brocken  Englisch mit uns zu unterhalten und wir erfuhren, dass sie sechs Kinder sind und ein siebtes während des Krieges gestorben ist. Auch die Eltern wurden im Krieg verletzt und können aufgrund der Folgeschäden bis heute kaum arbeiten und Geld verdienen. Sie brauchen  die Unterstützung von Lanka Child, damit sie weiterhin alle Kinder selber durchbringen können und keines weggeben müssen.

Obwohl die Kommunikation mit beiden Familien nicht einfach war, waren die Familienbesuche sehr eindrücklich und bewegend. Beide Familien können die Unterstützung von Lanka Child sehr gut gebrauchen und wir sind froh, dass sie als Familie zusammenleben können und sich so trotz schwierigen Umständen Halt geben.
Irina und Fabio